Rumregatta: Auch zwei Flensburger arbeiten auf der Eye of the Wind

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Rumregatta: Auch zwei Flensburger arbeiten auf der Eye of the Wind
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Foto: (Presse Eye of the Wind(CIS-intern) – Als Segelschiff für Urlaubs-Törns und Manager-Trainings ist der Großsegler Eye of the Wind auf den Weltmeeren unterwegs. Ende Mai nimmt der 106 Jahre alte Zweimaster Kurs auf Flensburg. Mit an Bord: zwei Flensburger Seeleute, die als festangestellte Besatzungsmitglieder dort arbeiten, wo andere ihren Urlaub verbringen – zwischen Decksplanken und gesetzten Segeln.

Foto: (Presse Eye of the Wind) Frank Anders (links) und Lars Wienke freuen sich auf einen Besuch ihres weit gereisten Schiffes bei der Rumregatta in ihrer Heimatstadt Flensburg.

Drei Quadratmeter Kombüse

Als Schiffskoch ist Frank Anders zuständig für das leibliche Wohl der Gäste und Crew, und das bei jedem Wind und Wetter. Sein Arbeitsplatz ist die Kombüse – hier ist auf gut drei Quadratmetern alles untergebracht, was für die Verpflegung notwendig ist. Der Flensburger heuerte 2009 zum ersten Mal auf der Eye of the Wind an, blieb sechs Jahre und gönnte sich anschließend eine kurze Schaffenspause. Seit dem letzten Jahr gehört er wieder zur Stammbesatzung. Zuvor sammelte der 46-Jährige Erfahrungen in der Bordgastronomie eines baugleichen Schwesterschiffes der Eye of the Wind. Ursprünglich lernte der „Smutje“ den Beruf des Fotografen. Ein Faible für das Kochen hatte er schon immer, die Seefahrt unter Segeln hat sich so ergeben. Heute verbringt er mehr als die Hälfte des Jahres an Bord. Als Schiffskoch hat er eine Schlüsselfunktion auf dem Schiff. „Wenn das Essen schmeckt, dann stimmt die Stimmung an Bord“, weiß er aus langjähriger Erfahrung. „Gute Küche muss schmackhaft sein zur Motivation, sättigend nach harter Arbeit und gesund fürs Wohlbefinden.“ Vor allem freut er sich auf die im Winterhalbjahr bevorstehenden Törns in der Karibik: „Dann ist die Arbeit an Bord ein echter Traumjob!“

Seefahrt in ihrer ursprünglichen Form

Auch Lars Wienke sieht dem besonderen Ereignis, unter Segeln seinen Wohnort Flensburg anzusteuern, freudig entgegen. Der 32-Jährige ist in einer Doppelfunktion als Maschinist und Matrose an Bord tätig. Vorrangig ist er für die Pflege und Wartung der Maschinenanlage, der Elektrik und des gesamten Leitungs- und Pumpensystems zuständig. Wenn er im Maschinenraum mal nicht gebraucht wird, hilft er als Deckshand bei den Segelmanövern mit. Schon im frühen Jugendalter erkundete er auf Yachten die Ostsee. Seine Ausbildung zum Schiffsmechaniker schloss er in der Handelsmarine ab. „Auf der Eye of the Wind erlebe ich nun wieder die Seefahrt, so wie sie mir gefällt – nämlich unter Segeln“, schwärmt er.

Projekt Weltumsegelung

Rund 40 Jahre ist es inzwischen her, dass die Eye of the Wind zum letzten Mal den Globus umrundete. Doch die stolze Brigg ist kein Schiff, das gerne lange im Hafen liegt, und so soll es bald zu einer Neu-Auflage der Weltumsegelung kommen. Momentan laufen die ersten Planungen, den Segler ab 2018/19 auf die ganz große Reise zu schicken. Der Besuch auf insgesamt fünf Kontinenten, eine Umrundung des Kaps der Guten Hoffnung und eine Durchquerung des Panamakanals stehen unter anderem auf dem Törnplan. Mitsegler für diese einzigartige Erkundungstour sind an Bord willkommen, seglerische Vorkenntnisse sind für eine Törn-Teilnahme nicht erforderlich.

Lebendige Seefahrt-Tradition

Die Eye of the Wind wird heute weltweit für Segeltörns und Führungskräfte-Trainings auf See genutzt. Nach der Rumregatta nimmt die Stammbesatzung mit ihren Mitseglern Kurs auf Lübeck. Weitere Ostsee-Törns stehen dann auf dem Programm. Im Sommer wird der Windjammer Hafenstädte und Inseln im westlichen Mittelmeer besuchen. Nach einer Atlantik-Überquerung im Herbst bleibt der Rahsegler zwei Monate lang in der Karibik.

Eye of the Wind – eine segelnde Legende mit Hollywood-Vergangenheit

Seinen Stapellauf hat das Schiff im Jahr 1911 unter dem Namen Friedrich. Nach mehreren Eignerwechseln und Namensänderungen, einer Strandung und einem Brand im Maschinenraum scheint das Ende des Schiffes im Jahr 1970 unausweichlich. Stattdessen beginnen englische Segelschiffs-Enthusiasten damit, den Rumpf komplett neu aufzu-riggen. 1976 ist der Zweimaster unter seinem neuen Namen Eye of the Wind dann bereit, großen Abenteuern auf See entgegen zu fahren. Einer Umrundung des Globus folgt die Expeditionsreise „Operation Drake“ unter der Schirmherrschaft Seiner Königlichen Hoheit Prince Charles. Die majestätische Erscheinung des Großseglers erregt in der Filmbranche Aufmerksamkeit, und so trotzt die Eye of the Wind auch vor der Kamera wilden Stürmen, strandet, brennt aus und sinkt. Im Film „White Squall – Reißende Strömung“ (1996) und in anderen Abenteuerstreifen dient die segelnde Hollywood-Diva als Handlungsschauplatz und Filmkulisse. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts ist die Brigg neun Jahre lang in Privatbesitz und für ihre zahlreichen Freunde und Fans unzugänglich. 2009 findet das Segelschiff bei der FORUM train & sail GmbH, einem Tochterunternehmen der deutschen FORUM MEDIA GROUP, schließlich seinen neuen Heimathafen.