Flensburg – Theaterwerkstatt Pilkentafel feiert 30-jähriges Jubiläum

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(CIS-intern) – Im September 2013 feiert die Theaterwerkstatt Pilkentafel ihr 30-jähriges Jubiläum. Vor 30 Jahren begann alles mit „Wir werden uns leidenschaftlich lieben“. Zu diesem Anlass und unter dem Motto „Fundstücke“ hat die Theaterwerkstatt ein Programm aus Altem und Neuem zusammengestellt. Es beginnt am 14. September mit einem Fest in allen Räumen. Hier nun eine Übersicht des umfangreichen Programms der Pilkentafel im September 2013.

Foto: Theaterwerkstatt Pilkentafel

Felicitas Hoppe
Hoppe
Eine schwebende Lesung

2012 erhielt Felicitas Hoppe den renommierten Büchnerpreis unter anderem auf Grund ihres Buchs „Hoppe“. Die Jury sagte: „In einer lakonischen und lyrischen, eigensinnigen und uneitlen Prosa hat sie ein erzählerisches Universum erfunden, in dem Grundfragen eines ‚postmodernen’ Daseins mit freier und befreiender Phantasie durchgespielt werden.
Die fiktive Biographie Hoppe (2012) unterläuft virtuos die Grenzen von Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel. Felicitas Hoppe fragt nach Möglichkeiten der Ich-Werdung, nach den Wundern und Verstrickungen der Sehnsucht, und lässt unaufdringlich metaphysische Horizonte aufscheinen. In einer Zeit, in der das Reden in eigener Sache die Literatur immer mehr dominiert, umkreist Felicitas Hoppes sensible und bei allem Sinn für Komik melancholische Erzählkunst das Geheimnis der Identität: „Denn auf welchen Namen wir wirklich getauft sind, wer kann das schon wissen.“:

Zu diesem ungewöhnlichen Text verspricht die Theaterwerkstatt Pilkentafel eine Schwebende Lesung. Wie in dem experimentierfreudigen Theater üblich wird ein Raum geschaffen, der ein spezielles Zuhören ermöglicht. Der Text wird auf 6 Frauen- und eine Männerstimme verteilt und zum Klingen und auf Tempo gebracht. Diese Lesung ist eine erste Zusammenarbeit mit dem Theater Kormoran.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:
Fragen von Felicitas Hoppe (fh) an die Autorin von Hoppe (Hoppe)
fh: Ist es nicht ein bisschen eitel, mit 50 seine Autobiographie zu schreiben?
Hoppe: Moment mal: Hoppe ist keine Autobiographie, sondern eine Biographie über Felicitas Hoppe. Und die war, unter uns gesagt, längst überfällig. Es ist ja jede Menge Unsinn über Hoppe in Umlauf. Ihre erste Autobiographie schrieb sie (in Hoppe nachzulesen/fh) übrigens bereits mit zehn.
fh: In Hoppe wimmelt es nur so von Slogans, von Devisen, von Wahlsprüchen. Wieso?
Hoppe: Sie weiß einfach, worauf es im Leben ankommt, vor allem dann, wenn die Rechnung nicht aufgeht. Ihre Lieblingsdevise lautet: »Wer zögert, verliert.« Und last but not least: »KRÖNE DICH SELBST – SONST KRÖNT DICH KEINER!«
fh: Und was kommt dabei raus?
Hoppe: Kunst!
Regie und Konzept: Elisabeth Bohde
Es lesen Claudia Mayer, Elisa Priester, Sabine Stein, Lisa Schwabe Julia Wengart, Svenja Wolff (special guest: Torsten Schütte)

Freitag 20. + Samstag 21. September 20:00 Uhr
Karten über die Homepage www.pilkentafel.de
An der Abendkasse
Vorverkauf: SHZ Kundenzentrum oder Tourist Information in der Roten Straße
Für Studenten: Karten für 7,– € im AStA Büro der Uni und FH (begrenztes Kontingent)
Eintritt
20,– € für Förderer
15,– € für jeden
10,– € für Schüler, Studenten, Sozialpassinhaber

Oskar Pastior
Die mit Messer und Gabel Lesenden
Ein Sprachlabor

Oskar Pastior wurde 1927 in Hermannstadt (Sibiu) in der deutschsprachigen Minderheit Rumäniens geboren. Mit 17 deportierten ihn die Russen ins Arbeitslager und hier wurde ihm das Schreiben zum Überlebensmittel. Nach 5 Jahren zurück in der „Freiheit“ musste er Wehrdienst in der rumänischen Armee leisten und auf dem Bau arbeiten. 1955 studierte er endlich Germanistik, arbeitete beim deutschsprachigen Rundfunk, schrieb, bis er es 1968 nicht mehr aushielt und von einer Reise nach Wien nicht zurückkam. Von da an lebte und schrieb er in Berlin.
Im Oktober 2006 sollte er den Büchnerpreis erhalten, aber wenige Tage vor der Verleihung starb er während der Frankfurter Buchmesse.
Christina Weiss hielt die Laudatio zum Büchnerpreis:
„Er erfindet und findet eine neue Welt aus Sprache – aus seiner Sprache, die für uns eine fremde ist, eine befremdliche, eine unerwartete, eine unerhörte. Das Alltagsvertrauen in die Sprache treibt er uns gründlich aus, stattdessen lehrt er uns das Staunen über das sinnliche Material Sprache und seine Möglichkeiten Bedeutung zu erzeugen. „

Die Theaterwerkstatt Pilkentafel baut ein Sprachlabor auf, um diese Texte zu hören? Zu erleben? Zu begreifen? Zu erfassen? Erklingen zu lassen? Zu zeigen? Zu sehen? Zu untersuchen? Zu verstehen? Zu zerlegen? Zu teilen? Elisabeth Bohde, Johanna Stapelfeldt und Torsten Schütte tragen diese Texte ins Labor ihrer Münder, zerkauen Worte und lauschen ihrem Nachgeschmack, verdauen Sätze und spucken die Bedeutungen aus, verpacken die Texte in Flüstertüten und entkleiden sie, kochen die Silben auf und kühlen Buchstaben ab, legen Zeilen unters Brennglas und die Seiten aufs Tablett. Kurz: sie lesen mit Messer und Gabel.
Das Flensburger Tageblatt schrieb zur Premiere:
„Das Ganze ist ein hochvirtuoser, intellektueller Bühnenspaß und der Beweis dafür, dass man etwas so Komplexes wie die Texte Oskar Pastiors mit Gewinn auf die Bühne bringen kann. Chapeau!“

Donnerstag 26., Freitag 27. Samstag 28. September 20:00 Uhr
Karten über die Homepage www.pilkentafel.de
An der Abendkasse
Vorverkauf: SHZ Kundenzentrum oder Tourist Information in der Roten Straße
Für Studenten: Karten für 7,– € im AStA Büro der Uni und FH (begrenztes Kontingent)
Eintritt
20,– € für Förderer
15,– € für jeden
10,– € für Schüler, Studenten, Sozialpassinhaber

Offene TheaterWerkstatt: Mit Messer und Gabel Lesen
Für einen Sonntag kann jeder, der will und Lust hat sich auszuprobieren, an einem Theaterworkshop mit den Texten von Oskar Pastior teilnehmen. Elisabeth Bohde bietet den Kurs folgendermaßen an: „Sprache kommt aus dem Mund, man kann die Worte ausspucken, kauen, lutschen, verschlucken…? Das Sprechen ist also bestenfalls auch ein sinnliches Vergnügen. Um das zu entdecken oder zu genießen, bieten sich die Texte von Oskar Pastior an. Das war unsere Erfahrung beim Proben und die möchten wir mit Ihnen teilen.
Außerdem erschließt sich vieles an diesen Texten wie von selbst, wenn man anfängt, sie zu sprechen, mit ihnen zu spielen, sie mit Messer und Gabel zu lesen.
Am Anfang der Arbeit stehen Übungen zur Erkundung der eigenen Stimme, der anderen Töne, Klänge und Möglichkeiten, die wir im Alltag nicht nutzen, und dann sprechen Sie die Texte von Oskar Pastior.“

Kursleitung Elisabeth Bohde
Sonntag 29. September 11:00 – 18:00

Anmeldung bei der Theaterwerkstatt Pilkentafel erforderlich.
Preis: 50,– € / 35,– € ermäßigt

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