Was dem Kölner der Karneval, ist dem Nordlicht die Glühweinzeit

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Was dem Kölner der Karneval, ist dem Nordlicht die Glühweinzeit
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pc094277(CIS-intern) – Bald ist es wieder soweit, die norddeutschen Glühweinmärkte, fälschlicherweise aus historischen Gründen immer noch Weihnachtsmärkte genannt, öffnen ihre Tore bzw. Ausschankstellen. Inzwischen gibt es in jedem Pipi-Dorf so einen Glühweinmarkt. Meist bestehend aus fünf zusammen gekloppten Holzbaracken mit Tannenschmuck und LED-Ketten. In vieren dieser Stände stehen die Inhaber meistens alleine dumm rum und nuckeln an ihrem Kaffee aus der mitgebrachten Thermoskanne. Dabei überlegen sie an jedem Abend, wovon sie bloß die Standgebühr bezahlen sollen.

Nur an einem Stand versammeln sich alle Dorfbewohner, hauen sich die Hucke voll, palavern lauthals blödsinniges Zeuchs und aus dem Transistorradio ertönt die atemlose Helene Fischer. Dabei fällt mir ein, kokst Helene eigentlich schon? Würde gut zu ihr passen, wie ich finde. Aber das ist ein anderes Thema.

In den großen Städten gibt es natürlich größere Märkte und unzählige Glühweinstände. In Flensburg z.B. kommt es einem vor, als wenn in der City jeder dritte Stand so ein Getränkestand ist. Die sind aber auch notwendig, weil es zur Weihnachtszeit besonders viele Dänen in die Stadt zieht. Wo kann man schon für ein paar Euro pro Becher billigsten Fusel literweise reinkippen. In Dänemark jedenfalls nicht, jedenfalls nicht so günstig. Und so bechern im wahrsten Sinne des Wortes Deutsche und Dänen gemeinsam Tag für Tag, Stand für Stand die Vorräte leer. Manchmal gibt es dabei nicht nur einen hinter die Birne, sondern auch einen auf die Birne. Das kommt aber eher seltener vor.

Derweil allerdings wird dem Dänen hinterrücks die Einkaufstasche geklaut. Das freut aber den Einzelhandel, muß der Käufer doch nun nochmal einkaufen. Gerücht aber ist auf jeden Fall, das die Einzelhändler selber “südländisch aussehende Leute” (gern genutzter Sprachgebrauch der örtlichen Polizei) anheuern, um durch solche Diebstähle den Einkauf anzufeuern.

Und was hat das nun mit dem Kölner Karneval zu tun?
Na ja, die Kölner z.B. feiern ja auch gerne, allerdings gleich über drei Monate lang. Und das auch Tag für Tag. Ab 11. 11. 11. Uhr 11. Das können wir uns hier oben aber nicht leisten, deshalb gibt es bei uns nur sehr wenig Karneval. Dafür aber eben die Glühweinzeit. Die dauert aber nur vier Wochen. Kölner verdienen in der Regel viel mehr, hochbezahlte Fließbandarbeiter u.ä., hier oben im Norden dominieren die Leichtlohngruppen. Da können wir doch froh sein, vier Wochen lang unser Geld zum Glühweinmarkt schleppen zu können und zu dürfen. Außerdem sind die Kölner Chefs allesamt in irgendeinem Stadtteil-Karnevalsverein Elferrat-Präsident und haben in 90 Tagen 120 Termine. Und so sitzen die meisten Bosse am Morgen ebenfalls mit noch 1.2 Promille am Bürotisch. Und haben daher Verständnis dafür, wenn ihre Mitarbeiter auch immer noch unterm Tisch liegen.

Die Nordischen Chefs dagegen sind höchstens im Lions-Club, Golfklub oder im Handwerkerverein. Und kommen daher stets nüchtern zur Arbeit. Oder gibt es hier irgendwo einen Glühwein-Elferrat-Präsidenten? Ich kenne keinen. Wir im Norden sind da richtig benachteiligt. Nur auf der Betriebs-Weihnachtsfeier, die auch oft auf dem Glühweinmarkt beginnt oder auch endet,  gehen Chef und Belegschaft mal so richtig aus sich raus. Allerdings sollte sich “Chef” nicht am schnapstrunkenen Abend dabei erwischen lassen, wie er seine neue, junge Praktikantin im Kopierraum vögelt. Die sich dadurch natürlich einen raschen Aufstieg im Unternehmen erhofft. Soll “Frau vom Chef” nichts davon erfahren, kann das sogar klappen. Übrigens, im Rahmen der Emanzipation, Frauenquote und dem Anstieg der Frauen auf Chefposten kann dieses Problem inzwischen auch andersrum passieren.

Und zum Abschluss ein Tipp für Autofahrer:
Auf der alkoholisierten Rückfahrt vom Glühweinmarkt immer ein Auge zudrücken. Dann ist die plötzlich vierspurige Straße auch wie gehabt wieder zweispurig.

In diesem Sinne, Kölle Alaaf, bzw. wie man hier im Norden meist sagt, Moin, Moin!
Wir wünschen eine gesegnete Glühweinzeit und nette Betriebsfeiern.

Am 24. November 2014 öffnen die meisten Glühweinmärkte!

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